Etablierung und Demonstration eines Waldreallabors in Beispielregionen

Das geplante Waldreallabor adressiert den Landschaftsraum der fichtengeprägten Mittelgebirgslandschaften, die insbesondere durch die Extremwitterung der letzten Jahre (Hitze, Trockenheit) und begleitende Kalamitäten (Sturm, Borkenkäfer) bereits hohe, flächendeckende Schäden aufweisen (Beispielregion Harz) oder zunehmend Schadrisiken ausgesetzt sind (Beispielregion Landshut/Niederbayern). In beiden Regionen besteht dringender Bedarf zur Umgestaltung der Wälder (Landshut) bzw. zur Wiederbewaldung großer Schadflächen (Harz).
Das Versuchsdesign der Waldreallabore deckt unterschiedliche Intensitäten des Waldmanagements ab (ohne Management, extensiv, intensiv), die im Rahmen gängiger Managementkonzepte des öffentlichen und privaten Waldbesitzes liegen. In einem gestaffelten Experimentalflächen-Ansatz werden insgesamt neun vollinstrumentierte Intensivflächen (I, nur öffentlicher Wald) mit jeweils 4 Subplots und etwa 51 teilinstrumentierte Satellitenflächen (S, öffentlicher und privater Wald) untersucht. Dieser Ansatz entspricht auch dem Konzept eines Forschungs-Praxis-Netzwerks, bei dem Waldbesitzende direkt in die Forschung mit einbezogen werden. Folgende Managementvarianten mit dem Fokus auf die Entwicklung des Folgebestands sind vorgesehen:
- Ohne Management: Natürliche Waldentwicklung
- Extensives Management: Bestandesbegründung mit heimischen Baumarten; Totholzmanagement, Belassen und Integration ggf. vorhandener Naturverjüngung
- Intensives Management: Bestandesbegründung auch mit nicht-standortstypischen Baumarten; (Teil)-Räumung der Flächen von Schad- und Totholz, ggf. (Teil-)Entfernung von Naturverjüngung
Stakeholder-Aktivitäten sind sowohl in Form einer Visionsentwicklung des Waldes im Jahr 2100 (Ko-Kreation), bei der Durchführung der Forschung (Ko-Produktion, Forschungs-Praxis-Netzwerk) als auch bei der Entwicklung eines Bewertungssystems der unterschiedlichen Managementvarianten zusammen mit den Ergebnissen der Digitalen Zwillinge geplant. Diese verschiedenen Elemente bilden den zentralen Waldreallaboransatz des Projektes.
Die Ko-Kreation, -Produktion und -Evaluation sind dabei als partizipative, iterative Prozesse zu verstehen, welche die mittel- und langfristigen Visionen der Stakeholder für ihre Wälder erfassen und auf Anwendbarkeit im Waldreallabor-Ansatz überprüfen. Die Ko-Kreation soll durch Interviews und Fokusgruppen die Bedürfnisse der Stakeholder erfassen und die Vorstellungen für den Wald der Zukunft sichtbar machen. Im Dialog sollen gemeinsam Lösungen für einen Waldumbau hin zu einem klimaresilienten Wald entwickelt werden.
Als Stakeholder werden innerhalb der Waldlabor-Regionen (Harz, Niederbayern) verschiedene Interessengruppen ausgewählt, die ökologische, ökonomische und soziale Ansprüche an den Wald haben. Dabei sollen unterschiedliche Interessengruppen auf unterschiedlichen Organisationsebenen, d.h. von Einzelpersonen bis hin zu Verbänden, mit einbezogen werden. Zu den möglichen Beteiligten zählen z.B. Nationalpark-Verwaltungen, Forstbetriebe, Waldbesitzer-Verbände, Jagdverbände, Wasserversorgungsunternehmen, Tourismus-Verbände, Naturschutzverbände und andere Akteursgruppen.